nordische Messer

Auch Heute noch gibt es Völker in denen die Tradition der Messer nach wie vor gelebt wird. Eines von ihnen natürlich die Skandinavier.

Tief verwurzelt in ihrer Tradition ist der Brauch, dass ein junger Mann auf dem Weg zum Erwachsenen sein eigenes Messer baut. Von der Klinge über den Griff bis zur Scheide.

Natürlich ist es etwas viel Verlangt die Klinge selbst schmieden zu müssen. Für so etwas bräuchte es jahrelange Übung, einen Hang zur Präzision und Wissen über die Prozesse des Schmiedens und der Metallurgie, sonst würde die Klinge bei der ersten Benutzung zurspringen wie Glas. Ein Glück, nicht nur für junge Skandinavier sondern auch für uns Messerbauer, dass die nordische Industrie hier freudig aushilft und eine breite Auswahl an Rohlingen und Rohklingen zu günstigen Preisen anbietet. :)

 

Und jetzt ans Eingemachte.

Die Rohklinge

 Das markanteste Merkmal nordischer Rohlinge ist wohl der lange Erl. Das ist der lange Steckerl hinter der Klinge, lang genug, um durch den gesamten Griff zu reichen. Damit bekommt das fertige Messer extra Stabilität im Griff und außerdem erspart es dem Messerbauer die leidliche Frage welche Länge der Griff in Relation zur Klinge benötigt.

Üblicher Weise bestehen Griffe für solche Messer aus mehreren Schichten teilweise verschiedener Materialien, welche auf den Erl aufgesteckt und verklebt werden. Den Anfang bildet dabei die sogenannte Parierscheibe direkt an der Klingenbasis und das Ende wird mit einer Abschlussplatte vernietet, damit alles gut beisammen bleibt.

 

Die Papierplatte erfüllt hierbei gleich mehrere Zwecke. Zum einen schützt sie das Griffholz vor Einwirkungen aus Klingenrichtung. Zum Beispiel vor Stoßspuren von Knochen oder härteren Hölzern, je nach Verwendungszweck des Messers, aber auch vor den Schleifscheinen beim Schärfen der Klinge.

Außerdem stützt sich die Kraft beim Schneiden über die obere Daumenrampe und den unteren Fingerschutz auf diese Scheibe, damit die Finger nicht plötzlich in die Klinge rutschen.

Und sie glänzt so schön. :)

 

Die Griffscheiben folgen direkt auf die Parierscheibe und bilden einen hübschen Stapel. Die Wahl von Farbe und Material ist größtenteils einem selbst überlassen. Verschiedene Hölzer, Metalle aber auch Hornplatten oder modernes Plastik sind möglich. Man sollte jedoch auf eine kleine Auswahl beschränken, sonst wird es schnell zu kunterbunt.

Zu beachten ist auch, dass der Scheibenstapel hinterher in Griffform geschliffen werden muss. Verschiedene Materialien stellen verschiedene Bearbeitungsanforderungen. Seit also sicher, dass ihr das nötige Werkzeug und die nötige Geduld parat habt, wenn ihr harte Materialien wie Metall oder Harthölzer verwenden wollt.

Üblicherweise verwendet man Zwischenlagen zwischen den einzelnen Schichten, wie etwa dünnes Leder oder Birkenrinde. Diese Zwischenlagen sollen Unebenheiten zwischen den einzelnen Schichten ausgleichen und so dem Griff insgesamt ein passigeres Aussehen und höhere Festigkeit verleihen.

 

Die Abschlussplatte mit dem Niet wird auf das Ende des Erls gesetzt. Der gesamte Griff sollte beim vernieten kein Spiel mehr aufweisen, ansonsten muss man noch einmal nachschleifen. Falls das Holz mit der Zeit nach trocknet und dadurch schrumpft kann der Niet auch aufgelöst werden und alles neu gesteckt, oder einfach nach genietet werden, um wieder Festigkeit in den Griff zu bekommen.

 

Das waren die wesentlichsten Kernpunkte am nordischen Messergriffbau, aber bei weitem nicht alles. Der Kreativität sind bei Material, Form und Gestaltung praktisch keine Grenzen gesetzt! Und es bereitet mir riesige Freude die Möglichkeiten zu erkunden. Wenn ihr genauso Interessiert an den Möglichkeiten seid, wie ich, dann riskiert doch einen Blick nach unten auf meine Projekte.


Das Schälmesser

Hier habe ich ein kleines Schälmesser gebaut für Äpfel und Kartoffeln, nichts großartiges. Die Klinge ist kurz und geboten, einseitig geschärft und besitzt bereits eine Edelstahlzwinge mit Fingerfang, damit man nicht in die Klinge rutschen kann.

Der Griff besteht oben aus dunklem Cocobolo Edelholz und auf der unteren Seite aus heller Kirsche. Der Erl verläuft entlang der Klebelinie und geht nur etwa bis zur Hälfte des Griffes.

In den Griff habe ich einen weiteren Fingerfang und einige Fingeraussparungen eingeschliffen.

 

Leider hat das Design einige Schwächen und Fehler, aber bekanntlich lernt man daraus ja am besten.

Zum Beispiel ist der Griff insgesamt einfach noch zu dick und liegt nicht gut in der Hand, rund herum muss noch etwas Holz abgeschliffen werden.

Außerdem ist der zweite Fingerfang überflüssig und sieht im Nachhinein nicht unbedingt gut aus. Einer hätte genügt.

Die Klebelinie entlang des Erls ist natürlich eine strukturelle Schwäche, aber für ein Schälmesser genügt die Stabilität. Wenn das Messer für größere Belastungen ausgelegt werden müsste, beispielsweise beim Schnitzen oder zur Jagt, müsste man ein anderes Design wählen oder mit Zwingen arbeiten. Zwingen sind Metallringe, die über das Holz geschoben werden, meist am Anfang oder Ende des Griffes. Sie halten das Holz zusammen und verhindern so das Ausfasern oder in diesem Beispiel hier würden sie das Aufbrechen der Klebenaht bei starker Belastung verhindern.

 

Insgesamt braucht dieses Messer noch einen letzten Schliff.


Das Schnitzmesser

Das ist die Rohfassung eines Schnitzmessers.

Die Klinge ist kurz und spitz für höhere Präzision und bessere Kraftlenkung beim Schnitzen. Außerdem ist sie aus rostfreiem Stahl, damit das Messer auch mal ein regnerisches Wochenende im Garten überlebt.

Der Griff ist knapp über eine Hand breit und am Ende etwas abgeknickt, damit man nicht so einfach abrutscht.

Der Scheibenstapel des Griffes besteht von Rechts nach Links aus:

  • Einer Messingplatte als Parierscheibe
  • Einer weißen Tierknochenscheibe
  • Einer Scheibe Cocobolo Edelholz
  • Zwei Scheiben Olivenholz
  • Zum Schluss einer weiteren Scheibe Cocobolo Edelholz

Auf die Abschlussplatte habe ich hier verzichtet, da der Griff schon mehr als lang genug geworden ist. Außerdem hat Cocobolo Holz eine feine Maserung.

Die Maserung der beiden Olivenholzscheiben habe ich in der Mitte gespiegelt, indem ich einfach eine Scheibe herum gedreht habe. Simpel, aber ich hoffe, dass sich ein schöner Effekt ergibt.

Die Zwischenlagen bestehen aus farbigen, in Epoxidharz getränkten Stoffstücken. Diese lassen sich leicht einfärben und stören beim Formschleifen des Griffs am wenigsten.

Der Griff bekommt noch etwas Kontur und Form! Einsparungen für die Finger im vorderen Drittel und an der Klingenbasis ein kleiner Fingerschutz. Das hintere Drittel wird plan abgeschliffen, damit das abknickende Ende deutlicher hervor tritt.

Anschließend werden die Seiten etwas runter geschliffen, damit es besser in die Hand passt, und alles abgerundet.

 

Olive und Cocobolo sind Harthölzer. Als solche sind sie relativ anstrengend in der händischen Bearbeitung. Leider eignet sich der Bandschleifer hierbei nicht, da er die Aussparungen für die Finger wegschleifen würde. Ein Gerät dass die Griffform erhalten aber dem Hartholz einfach beikommen könnte kenne ich leider nicht, also bleiben nur Schweiß und Muskelkraft.

Die fertige Version des Messers.

Die Seiten des Griffes habe ich noch etwas abgeschliffen, weil er noch nicht ganz perfekt in der Hand lag. Danach habe ich ihn mit extrafeinem Schleifpapier poliert und das Metall mit Polierpaste bearbeitet, um die Schleifkratzer heraus zu bekommen. Zum Schluss wurde der Griff noch mit etwas Öl bepinselt, das verleiht ihm einen guten Glanz und schützt vor Feuchtigkeit.

Lackieren ist nicht nötig, normalerweise ist Holz von sich aus bereits sehr robust und beständig.

 

Ein gutes Stück mit dem ich eigentlich sehr zufrieden bin. Aber "Fertig" ist relativ, vielleicht finde ich in ein paar Jahren doch noch einen Weg es weiter zu verbessern. Mal gucken.


Nordisches Messer mit Olivenholzgriff

Hier habe ich ein einfaches nordisches Messer gefertigt. Es hat keinen bestimmten Verwendungszweck. Die Klinge ist aber wieder sehr kurz und spitz, womit es für Schnitzarbeiten gut geeignet wäre.

 

Die Klinge ist dreilagig und stammt aus der norwegischen Messerschmiede Helle.

Die Dreilagen bestehen aus zwei Stählen. Die Kernlage ist ein Rasierklingenstahl, der sehr hart und damit sehr gut zu schärfen ist. Die beiden äußeren Backenlagen bestehen aus einem weicheren Edelstahl mit niedrigerem Kohlenstoffanteil. Diese Legierung ist leider nicht härtbar, aber dafür rostfrei.

 

Der Griff besteht hauptsächlich aus Olivenholz, was eigentlich untypisch für nordische Messer ist, weil es da oben nicht wächst. Aber ich finde es so schön, dass ich nicht widerstehen konnte! Schaut nur die Maserung, ein schönes Stück Kernholz. Der Rohling war schon etwas angegangen, dadurch tritt die Maserung besonders kräftig hervor.

Im Detail besteht der Griff aus folgenden Materialien:

  • Eine Messingplatte als Parierscheibe

  • Einem Stück Mahagoni als Fingerschutz

  • Ein einzelnes, großes Stück Olive

  • Eine kleine Intarsie aus Messing am Griffende

An der Klingenbasis findet sich der obligatorische Fingerschutz, nichts ist schlimmer als beim schneiden abzurutschen und die eigenen Finger in der Klinge wieder zu finden! In der Mitte einige Aussparungen für Finger, damit der Griff besser in der Hand liegt. Und den Schluss habe ich etwas dicker gelassen für die Intarsie.

Der Einsatz von Messingintarsie am Ende dient dazu die Parierscheibe optisch aufzuwiegen, die wirkte sonst nämlich etwas verloren. Denn eine Abschlussscheibe passte nicht in das Design. Außerdem wollte ich etwas neues ausprobieren.

 

Olivenholz bietet gute Maserungen und lässt sich gut bearbeiten. Es ist nicht so hart, dass man ohne Maschine nicht voran käme, aber es ist auch nicht so weich, dass jeder Schliff einer zu viel sein könnte. Der einzige Nachteil an Olive ist, dass sie nicht recht zur Ruhe kommt und auch nach langer Zeit noch arbeitet. Ein Griff kann sich also auch nach Monaten noch verändern, verziehen und plötzlich nicht mehr passen. Es hilft darauf zu achten, dass das Holz ordentlich getrocknet ist, bevor man die Arbeit beginnt.

Außerdem habe ich den Griff bei diesem Messer lackiert, um weiteres austrocknen zu verhindern. Damit sollte das Holz seine Form lange behalten.

 

Die Scheide für dieses Messer besteht aus cromgegerbtem Leder. Crom-Leder wird sehr weich und bleibt immer flexibel, außerdem weist es Wasser ab. Der Nachteil von Crom-Leder ist allerdings, dass man es nicht mehr punzieren kann, auch sonst ist es gegen jede Verformung gefeit. Ausgenommen natürlich schneiden.

Der Seitenschmuck ist ein Tatoo-Aufkleber. Simpel, aber effektiv. :)

Die Naht der Scheide liegt seitlich zur Messerklinge, dadurch spart man sich das zurechtschneiden und einkleben kleiner Zwischenlagen zum Schutz der Naht vor der Klinge.

 

Das war ein recht umfangreiches Projekt, dass einige Herausforderungen zu bieten hatte. Die Ansprüche des Olivenholzes, die Lederscheide und die Messingintarsie. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis.


Das Lianenmesser

 Dieses Messer ist, wie der Name schon sagt, besonders gut geeignet, um Lianen zu schneiden! Falls man sich einmal, wieder erwarten in Mitten eines Dschungels wieder finden sollte. Oder die Welt plötzlich, wie in Doktor Who von einem wild wuchernden Wald überzogen wird.


Naja, leider nicht wirklich, aber es hat als Abschlussplatte eine Scheibe aus einem Lianenstrang, die Maserung ist einmalig! Das gute Stück wurde von mir in Epoxidharz eingegossen für bessere Haltbarkeit. Den zwar ist die Struktur des Holzes optimal für Querkräfte auf den Strang, aber als Abschlussplatte neigt es etwas zum fasern. Das ganze ist ein Experiment, ich hoffe also es hilft.

Der Griff besteht diesmal aus:

  • Einer Messingplatte als Parierscheibe

  • Einer Scheibe Cocobolo als Fingerschutz

  • Einem großen Stück Aprikosenholz

  • Einer Scheibe Liane als Abschlussplatte

Die Trennschichten bestehen, wie üblich bei mir, aus epoxidgetränkten gefärbten Papier. Diesmal wollte ich etwas experimentieren und habe die Trennschicht zwischen Aprikose und Liane extra dick gemacht. Ich hoffe auf einen guten Farbübergang.

Ich habe mich noch nicht auf eine endgültige Form des Griffes festgelegt. Mal sehen wohin mich die Eingebung bringen wird.


Die Klinge des Messers stammt wieder aus der norwegischen Messerschmiede Helle und ist wieder dreilagig, genau wie bei dem nordischen Olivholzmesser. Diese hier ist nur etwa doppelt so lang. Eine gute Größe für Obstmesser.

Herrenmesser mit Oliven-Mahagoni Griff

Kleines Messer  das als Freizeitmesser dienen soll. Der Griff besteht aus Olivenholz und Mahagoni. Kupfer als Frontplatte und als Abschluß.  Die Klinge ist Damast.

Das Olivenholz ist auf einer Seite gespiegelt worden. Weil der Griff aus mehreren Teilen besteht, ist die Angel der Damastklinge zur Kurz, der Griff könnte unter Last brechen. Damit das nicht geschieht, wurde ein Messingrohr mit der Abschlußplatte verlötet und die Angel beim verkleben in das Rohr gepresst. jetzt gilt es nur noch eine Ansprechende Form in das Holz zu bekommen, Sonst ist der technisch aufwendige Griff umsonst. 

 

Haken fallen von der Wand, Post-It`s fliegen davon, die neuen Aufkleber im Fenster oder auf dem Auto überleben nicht einmal die erste Sommerbrise?
Hier erfahrt ihr warum das so ist und wie es in Zukunft anders wird! Ich stelle euch die gängigsten Klebe- und Fügetechniken für Industrie- und Heimbedarf vor und erkläre euch sogar warum sie funktionieren (oder eben nicht funktionieren)!

 

Und nebenbei, wenn der Kleber mal wieder trocknen muss, beschäftige ich mich mit Metallbearbeitung, Messerfertigung und Mineralien.

 

Hier gibt es immer was zu tun!