Techniken des Messerbaus

Messer sind nach wie vor das wichtigste Werkzeug der Menschheit. Auch wenn ihre Form sich über die Äonen gewandelt hat leisten sie noch immer ihren Dienst an der Zivilisation, ob in den Händen der Menschen oder verbaut in den Maschinen.

Dabei haben sich die Methoden kaum geändert. Damals wie heute erhitzt man Metall und schmiedete es in Form. Damals wie heute zersägte man Bäume und schnitzte sie zu funktionellen oder prächtigen Griffen.

Dann dürfte es also gar nicht so abwegig sein, wenn wir einen Blick auf das edle Messerhandwerk werfen, oder?

Grundlagen: Die Klinge

 

Stellt euch eine Welt vor in der Messer keine Klinge hätten. Niemand würde sich mehr versehentlich in den Finger schneiden. Niemand würde mehr in dunklen Gassen überfallen werden! Niemand würde mehr Kriege führen!! Und dann würden wir alle verhungern, weil auch niemand mehr Kartoffeln schälen oder Schnitzel schneiden könnte. So ein Scheibenkleister aber auch.

 

Ganz schön wichtig also, dafür dass es eigentlich nur seitlich angeschärfte Blechstücken sind, oder? Manchmal ist liegt gerade in der Simplistik das Wunder.

 

Aber auch Klingen haben ihre Kniffe und Eigenheiten, die ihre exakte Funktion beeinflussen. Zwar sind alle Messer ultimativ zum Schneiden da, aber was schneiden sie und in welcher Weise sollen sie schneiden? Ist Präzision wichtig oder muss nur Masse geschafft werden? Alles wichtige Punkte für ein gutes Messer, daher habe ich hier eine kleine Zusammenstellung typischer, nordischer Messerklingen vorbereitet, die die wichtigsten Formen für den Haus- und Feldgebrauch abdecken müssten.
(Falls ihr weitere oder bessere Beispiele kennt, schreibt mir doch kurz. Ich freue mich darauf die Liste zu ergänzen.)

 

Zu aller erst betrachten wir Das Material der Klinge.

 

Die gezeigten Klingen A bis E bestehen aus üblichem Edelstahl. Die Klinge F jedoch aus angereichertem Kohlenstoffstahl.

 

In früheren Zeiten, als die Metallurgie noch nicht so fortschrittlich war, war es oft schwierig einen geeigneten Stahl zu produzieren. Oft wurden die Stähle entweder zu hart und brachen zu schnell oder sie wurden zu weich und behielten keine Schärfe. Die Lösung der damaligen Messer- und Waffenschmiede war einfach verschiedene Stähle mit einander ergänzenden Eigenschaften zusammen zu schmieden und so zu falten, dass harter Stahl an der Schneide verbleibt und von weichem Stahl an den Backen und dem Rücken des Messers gestützt wird. Typische Beispiele für diese Methode sind Damast-Stahl oder Damaszenerstahl und der japanische Tamahagane.

 

Mit heute modernen Schmelz- und Schmiedeverfahren ist es jedoch möglich Messer von gleicher Qualität aus einem einzigen Stahl zu fertigen. Es ist möglich den Kohlenstoffgehalt des Stahls durch Brenndauer und Temperatur exakt zu bestimmen, außerdem werden seine Eigenschaften durch diverse Zusätze wie Magnesium, Phosphor und Zink genau ausgeregelt. Damit sind Faltstähle leider, bis auf wenige spezielle Ausnahmesituationen, nur noch ästhetischen Zwecken dienlich.

 

Der nächste und wichtigere Punkt ist Die Form der Klinge.

 

Die Länge, Biegung und die Ausrichtung im Bezug auf den Erl sind hierbei wichtig, aber auch die Art des Schliffes der Schneide.

 

Länge Klingen sind üblich für gröbere Arbeiten und normale Schneid- und Küchenmesser, wie sie bei den Klingen A, B und E zu sehen sind. Klinge B ist etwa 95mm lang. Für mehr Präzision, wie sie bei Schnitzarbeiten nötig ist, nutzt man kurze, spitze Klingen, zu sehen bei C und D.

 

Als nächstes die Biegung, die bauchige wuchtige Wölbung bei Klinge A springt ins Auge. Durch das zusätzliche Material in der Klingenspitze rutscht der Masseschwerpunkt in diese Richtung. Das Messer kann damit wuchtiger Zuschlagen.  Das findet man häufig bei Outdoor-Messern, um kleine Pflanzen nieder zu mähen oder rasch Holzpflöcke für ein Zelt zurecht schlagen zu können. Macheten sind wohl das bekannteste Beispiel. Dies sind auch Messer, die von Faltstahl profitieren. Federnder Stahl für den Klingenrücken und harten Stahl für die Spitze.

 

Die Ausrichtung der Klinge zum Erl ist der letzte Punkt. Hier geht es wieder um Präzision und Stabilität. Bei normalen Schneidbewegungen verläuft die Kraftachse entlang des Klingenrückens, quer durch das Klingenblatt und verteilt sich entlang des Bauches, das ist die Runde stelle zwischen Spitze und Schneide. Wenn die Klingenspitze etwas abgesenkt wird rutscht sie genau in eine Linie mit dem Erl. Dadurch verschiebt sich die Kraftachse bei Schneidbewegungen und verläuft direkt durch die Klingenspitze. Zu sehen ist das bei Klinge C und D. Das verleiht extra Präzision für beispielsweise Schnitzereien, da die Klinge nicht mehr bestrebt ist unter dem Griff weg zu rutschen, sondern sich direkt in das Werkstück bohrt.

 

Ein rasches Wort zur Schärfe.

 

Die scharfen Stellen der Klinge heißen Schneide (vom Griff gerade verlaufend bis zur Krümmung), dem Bauch (Die gekrümmte Stelle zwischen Schneide und Spitze) und der Spitze (letzte, kurze, gerade Stelle nach der Wölbung).

 

Bei Schneid- und Hauarbeit wird der Bauch am stärksten beansprucht, entsprechend häufig muss er nachgeschliffen werden. Bei Schnitzarbeiten liegt die Belastung hingegen auf der Spitze. Die Funktion des Messers diktiert also die Schliffart.

 

Spitze Schliffwinkel bieten mehr Schärfe, stumpfen aber schneller ab. Flache Schliffwinkel sind haltbarer, versagen aber oft bei Präzisionsarbeiten in harten Materialien.

 

Auch gilt es zu bedenken ob die Klinge einseitig oder beidseitig geschliffen wird. Bei einem Einseitigen Schliff wird die Klinge immer in Richtung der stumpfen Seite driften. Bei Schälmessern ist das erwünscht, bei Schnitzmessern ist es Situationsabhängig.

 

 

Vielleicht ergibt sich zu einem späteren Zeitpunkt ein ausführlicherer Beitrag zu Schliffmethoden und Schärfegraden.

 

Nun wenden wir uns meinem Lieblingsteil zu: Dem Griff!


Fortschritt: Der Griff

 

Keine Angst, Griffe sind ganz handzahm. Sie haben außer einem optischen keinen großen Einfluss mehr auf die Funktionalität des fertigen Messers. Dafür ist der optische Einfluss um so großer, schließlich schneidet das Auge mit!

 

Nur ein paar Feinheiten sollte ein jeder Griff erfüllen.

 

So sollte er gut in der Hand liegen, nicht zu groß sein aber auch nicht zu klein werden. Dieser Punkt braucht einfach etwas Erfahrung. Während des Schleifens einfach immer wieder Prüfen wie sich der Rohling in den Fingern fühlt und entsprechend nacharbeiten. Sollte das Messer ein Geschenk werden wird es kniffliger. Am besten besorgt man sich wohl unter Vorwand ein Model aus der Küche des zu Beschenkenden, von dem bekannt ist, dass der Griff gut in der Hand liegt. Dann vergleicht man während der Arbeit immer wieder.

 

Fingerbuchten sind optional, sie verbessern etwas die Sicherheit, sind hauptsächlich aber Geschmackssache. Außerdem können Fingerbuchten Probleme beim Schleifen bereiten, denn einige Holzarten neigen dazu an diesen Stellen auszufasern. Dadurch sind die Wölbungen mitunter nur schwer wirklich glatt zu bekommen.

 

Dafür ist es wichtig die Enden des Griffes etwas zu verdicken, besonders an der Klingenbasis, um ein Abrutschen in die Schneide hinein zu erschweren.

 

Die Gestaltung

 

Bei der Zusammenstellung der Farben und Materialien sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt Hölzer in praktisch jeder Farbvariante. Das Spektrum reicht von grünem Schlangenholz bis zu rot schwarzem Mahagoni.

 

Daneben sind auch Hörner beliebt, jedoch schwierig zu bearbeiten.  Man muss Acht geben kein Kunsthorn oder Plastik zu erwischen, sonst ruiniert man sich beim abschleifen sowohl die Lungen als auch die Schleifpapiere und -bänder.

 

Metalle sind dafür stets eine gute Ergänzung, Kupfer und Messing sind hier besonders beliebt. Man muss nur beim Abschleifen Acht geben, da sehr weiche Hölzer benachbart zu Metallstücken rasch zu weit abgeschliffen werden können.

Gern verwendet für Trennscheiben und Zwischenstücke wird Leder.

 

Ein paar Richtlinien zur Gestaltung:

 

  • man sollte sich auf 2 Farben beschränken

  • man sollte sich auf 3 Materialien beschränken

  • Symmetrie ist ein Wundermittel

 

Wohlgemerkt sind das Richtlinien. Sie helfen für den Anfang, aber der erfahrene Messerbauer weiß wie man sie brechen kann. Im Zweifelsfall gilt jedoch: Einfach ausprobieren und gucken was bei raus kommt. Mut zur Kreativität.

 

Griffdesign: Einige Beispiele

 

Beweisstück 1:

 

Ein Allzweckmesser mit sehr kurzer Klinge, dadurch wirkt der Griff beinahe enorm, er liegt aber gut in der Hand.

 

Die Materialzusammenstellung ist etwas überbordend. Ich habe eigentlich alles verwendet, was irgendwo auf der Werkbank herum gelegen hat. Kupfer für die Zwinge, eine Hornscheibe direkt dahinter, verschiedene Hölzer (Liguster, Kirsche, Birkenrinde und Robinie) getrennt mit einigen Lederscheiben, die Abschlussplatte besteht aus Messing. Alles geschliffen, poliert und geölt.
Am Ende war es zu viel des Guten und wirkt übertrieben.

 

Beweisstück 2:

Ein handliches, schlichtes Messer. Die Klinge ist etwas länger, der Griff markant ausgeformt mit zwei Fingerbuchten und einem Klingenschutz.

Die Parierscheibe besteht aus Messing, die Hölzer sind dunkle Aprikose und heller Holunder mit einer kleinen Intarsie aus Messingdraht. Die Trennschichten bestehen aus rotem Papier.

Schlicht und solide.

 

Beweisstück 3:

 

Ein Schnitzmesser. Die Klinge ist sehr Spitz und hat bei der Arbeit nicht nur einmal meinen Arbeitsschutz und meine Finger durchbohrt.

 

Der Griff besteht aus 4 Materialien in 3 Farben, also etwas extravagant.

 

Die Parierplatte besteht wieder aus Messing, die Trennschichten aus Leder. Danach folgt einmal Horn, dann Weide, Holunder und Liguster zum Abschluss.

 

Gewagt, aber ich denke gelungen.

 

 

Beweisstück 4:

 

Die Klinge ist noch mit Klebeband umwickelt, als Arbeitsschutz. Ich möchte meine Finger ja noch eine Weile behalten.

 

Der Griff ist diesmal streng symmetrisch und in typischen Erdfarben gehalten. Die Form ist jedoch noch nicht endgültig.

 

Verwendet wurden, von Basis zur Mitte: Cocobolo, Kirsche und Mango.

 


Beginn der Arbeiten

Rohlingen für Stichplatten und Abschlüsse für den Messerbau

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Da die Klingen fertig gehärtet und geschliffen sind, geht die Arbeit gleich mit dem Griff los. Dort steht die Wahl der Parierplatte oder Stichplatte an. Als Material sind Messing oder Neusilber sehr beliebt. Theoretisch sind auch Kupfer und Edelstahl möglich. Edelstahl war historisch nicht verfügbar, und reines Kupfer ist zu weich. Die Lösungen sind die Legierungen. Grundsätzlich werden 2 Klingenformen angeboten, bei einer ist die Abschrägung bis zum Erl gezogen, so kann die Platte von vorn über die gerade Klinge geschoben werden. Das ermöglicht Nacharbeiten, austauschen und nachpolieren. Diese Platten gibt es vorgestanzt. Da kann man eine passende auswählen und mit der Schlüsselfeile nacharbeiten bis der Schlitz zur Klinge passt. Der Nachteil der vorgestanzten Platten liegt im Preis und das sie als Schüttgut behandelt werden, sie enthalten mehr oder weniger tiefe Kratzer und Eindrückungen. Sie müssen auf der Oberfläche immer überschliffen werden. Ein glanzgewalztes Blech das mit Folie abgedeckt ist muß man nicht nachschleifen.

Platten mit Klingenschlitz, Rechteckausschnitt und eine aus eine Kupfer-Neusilberlaminat
Platten mit Klingenschlitz, Rechteckausschnitt und eine aus eine Kupfer-Neusilberlaminat

Natürlich kann man die Platte auch aus einem Blech aussägen und einen Durchbruch anfertigen. Dazu ist die breite der Klinge auf der Mittellinie anzuzeichnen. Einen Bohrer auswählen der 1 bis 2 zehntel mm unterhalb der Klingenstärke liegt. Auf der Linie ankörnen, und bohren. Wer eine Ständerbohrmaschine hat, kann die Bohrlöcher so dicht setzen, das sich die Löcher etwas überschneiden, dann hat man mit dem durchbrechen nicht so viel Arbeit. Waren sie zu eifrig oder wandert der Bohrer aus der Reihe, dann fehlt Material.

Treiben eines Messingrohlings

Sollte das passiert sein, so legt man die Platte mit der Frontseite auf den Schraubstock oder eine Richtplatte und treibt mit einem Durchschlag das Material von hinten auf. Der Spalt schließt sich mit Material aus der Materialstärke. Die Eindrücke von hinten stören nicht weiter.  Auf diese Weise kann man auch störende Herstellerprägungen aus Material wieder etwas austreiben damit man nicht den ganzen Querschnitt abfeilen muß.

Die Klingen A,B,C,E,F, benötigen eine rechteckigen Ausschnitt der im Fall A auch noch an den Schmalseiten nach vorn angeschrägt werden muss. Passt die Klinge, kann über die Oberfläche nachgedacht werden. Leicht zu erstellen ist eine satinierte Oberfläche. Ein Feinschliff mit Schleifpapier Körnung zwischen 180 und 240 immer in einer Richtung ausgeführt bringt das gewünschte Ergebnis. Sollte es doch eine Politur sein, so  muss man sich über mehrere Körnungsschritte heran arbeiten. Nach den 800 oder 1000 kann man den ersten Politurversuch starten. 

Erstpolitur, mit Restkratzern
Erstpolitur, mit Restkratzern

Dann wird sichtbar ob die Fläche glatt ist oder ob sich noch Kratzer gröberer Körnung versteckt haben die jetzt deutlich zu sehen sind. Wirklich problematisch ist der Rand, den zerstöre ich wieder wenn das Holz des Griffes passend geschliffen wird. die Politur wieder herzustellen ist dann nicht so einfach, das Holz nimmt sehr leicht die schwarze Polierabschliffe an und färbt sich schwarz. Soll der Griff sowieso geölt werden, so erst ölen und dann den Rand nach polieren, da gehen die Verfärbungen mit Bremsenreiniger noch mal gut weg. Am einfachsten ist es. den Rand satiniert zu lassen. Zum Polieren, klebe ich die Teile mit Sekundenkleber auf ein kleinen Stock.

Mit Elsterglanz und ähnlichen Poliermitteln bekommt man leider nur eine Scheinpolitur hin. in der Paste sind halt alle Körnungen der Schleif- und Poliermittel zusammen enthalten.

Kommen wir zum Griff. Die gewählten Materialien werden nach und nach durchbohrt und angepasst.

Nach dem aushärten des Klebers und anschleifen der Flächen sieht man die gespiegelte Ausführung des Holzes. Allerdings weiß ich noch nicht wie man das auf allen Seiten hin bekommt.

 

Haken fallen von der Wand, Post-It`s fliegen davon, die neuen Aufkleber im Fenster oder auf dem Auto überleben nicht einmal die erste Sommerbrise?
Hier erfahrt ihr warum das so ist und wie es in Zukunft anders wird! Ich stelle euch die gängigsten Klebe- und Fügetechniken für Industrie- und Heimbedarf vor und erkläre euch sogar warum sie funktionieren (oder eben nicht funktionieren)!

 

Und nebenbei, wenn der Kleber mal wieder trocknen muss, beschäftige ich mich mit Metallbearbeitung, Messerfertigung und Mineralien.

 

Hier gibt es immer was zu tun!